Aus der Werkstatt: Gaszugwechsel

Mittwoch, den 02. September 2020

Die nächste Herausforderung steht an: der gerissene Gaszug will gewechselt werden.

Durch diverse andere Bootsprojekte, ist mir der Umgang mit diesen Bowdenzügen recht geläufig, es gibt zahlreiche Größen und für gewöhnlich einen Standard-Anschluss an beiden Seiten…
Wie das bei uns genau ist, wollte ich also zunächst klären, um möglichst noch heute in den nahegelegenen Nauticshop zu gehen und die passenden Teile bestellen zu können, wer weiß, wie lange die Lieferzeiten sind (ich gehe nicht davon aus, dass die den passenden Gaszug vorrätig haben).

Und so beginnt der Tag mit einem raschen Frühstück, Eva & Benno gehen direkt an den Strand, so habe ich Platz, das Boot auseinander zu nehmen…es macht wenig Sinn, wenn alle an Bord sind, wähend man den Motorraum öffnet und den gesamten Stauraum dahinter (unterhalb der Plicht) ausräumt, um an die Mechanik ranzukommen. Der alte Bowdenzug muss ja komplett ausgebaut und vermessen werden, damit wir wissen, was wir brauchen. Und unter der Skippers-Lounge stauen wir so einiges: Grill, Werkzeug, Lebensmittel, Motor-Batterie, diverse Ausrüstung und und und … Gegen 12 habe ich den Bowdenzug komplett demontiert, das ging zum Glück ganz gut und auch scheinen keine Sonderlocken verbaut zu sein, das Standard-Teil dürfte uns weiterhelfen.

Ich vermelde den Fortschritt und mache den Roller startklar, keine 15 Minuten später stehe ich vor dem Laden, den ich gestern bereits ausgemacht hatte. Dieser hat natürlich geschlossen, leider für immer…verdammt, wäre ja auch zu einfach gewesen. Eine Telefonnummer und eine Adresse hängen an der Tür, wo wohl der Nachfolger zu finden ist. Doch die 40km scheinen mir in dem Moment irgndwie zu weit.

Ich bemühe google Maps und suche nach weiteren Nautic Shops. Und siehe da, am anderen Ende der Stadt gibt es ein Industriegebiet mit einer Werft und einem Nautic-Shop. Es ist halb zwei, 14 Uhr macht hier alles zu: Siesta!
Dann mal los, bei 35°C düse ich los, um die 8km durch die Stadt zu rollen, 20 Minuten berechnet mir das Navi…ich gebe Gas, die Fußsohlen glühen, merke mir unterwegs einen Supermarkt, dort kann ich dann ein kaltes Getränk nehmen, wenn ich zurück komme – jetzt ist keine Zeit. Es geht durch den hinteren Teil der Stadt, die Straße wird holprig, die Häuser sehen traurig aus… Aguillas ist nur am Strand für den Tourismus aufpoliert, der Rest der Stadt wirkt ärmlich und verfallen, zwischen marode Fassaden parken Autos in Hochwasserkanälen, überall ist es staubig und heiß…

Zehn vor zwei erreiche ich das Industrigebiet und finde den besagten Laden vor, puh, er hat noch offen! Yeah!

Ich gehe rein, ziehe meine Maske an und werfe ein freundliches aber lautes “Olla” in die Halle, nich dass mir der letzte Verkäufer voreilig in die Mittagspause verschwindet 😉  – Ich werde gleich rangewunken und zeige meinen defekten Bowdenzug, die Dame am Computer wift mir einen kritischen Blick entgegen – erst auf den Draht, dann auf mich, es folgt ein kurzes Nicken, sie steht auf und schlürft den Gang entlang, ich folge ihr und sehe direkt viele viele vertraute Kartons auf dem obersten Regal stehen, die kenn ich! da sind Bowdenzüge drin! …das sieht gut aus! Euphorie macht sich breit (Üblicherweise sind solche Teile nicht auf Lager und müssen erst bestellt werden). Wir messen die Größe und suchen die Pappen durch, ich brauche 11 Fuß, es gibt aber nur 10 oder 12…naja, zu kurz ist blöd, 30cm mehr kann man sicher irgendwie noch in einer Schleife legen…also nehme ich den längeren, tausche alt gegen den neu und rolle durchgeschwitzt aber glücklich den Berg vom Industriegelände wieder hinab in Richtung Stadtzentrum.

Kurzer Stop am Supermarkt: ein kaltes Getränk und ein Telefonat später geht es weiter. 
Am Boot angekommen beginne ich sofort mit dem Einbau des neuen Bowdenzug, keine große Sache – im Vergleich zur Beschaffung des Teils… 🙂

Nachdem der neue Gaszug montiert ist, steht ein Funktionstest an.

 

demontierter Gaszug mit abgerissenem Endstück

demontierter Gaszug mit abgerissenem Endstück

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