Adra – Almeria – San Jose – Aguilas

Dienstag, den 01. September 2020

Nachdem sich der Sturm gelegt hatte und auch der Seegang abflachte, wollten wir weiter Richtung Osten.
Natürlich hatte der Wind inzwischen auch wieder auf Ost gedreht, was für uns bedeutete:
Gegenan! Bei 2-3 Beaufort und kleiner Welle nutzten wir wieder die Nachmittags-Thermik um ein paar Meilen in Richtung Almeria voran zu kommen.
Zunächst einmal wollten wir in Adra noch fix tanken, am Vortag hatten wir eine Tankstelle zwischen den beiden Häfen ausgemacht, die war merkwürdigerweise komplett eingezäunt, aber wir versuchten es dennoch, der erhoffte Kartenautomat war jedoch nicht vorhanden, so dass wir unverrichteter Dinge lossegelten…
Die Fahrt verlief ereignislos, gegen 19 Uhr gab es ein vorbereitetes Mango-Curry unter Segeln, während der Wind immer schwächer wurde…Als er sich in der Nacht dann schlafen legte, ließen auch wir gegen eins den Anker in einer kleinen Bucht östlich der Marina von Almeria fallen, in der Hoffnung, der Wellenbrecher schützt uns vor dem Schwell aus Osten, doch die äußere Mole war nur ein großer Steg, der Seegang lief nahezu ungehindert unter diesem durch…wir waren aber so müde, dass wir schnell einschliefen, so groß waren die Wellen nun auch nicht 😉
Am nächsten Morgen war der Seegang auch komplett verschwunden, so dass wir in Ruhe frühstücken konnten, bevor wir den nächsten Tank-Versuch unternahmen 🙂
Diesmal antwortete ein Marinero über Funk und meinte, er sei in 5 Minuten da.
Wir manövrierten noch durch eine Gruppe Kajak-Fahrer an den Steg, bunkerten etwas Diesel und konnten kurz darauf auch schon unter Segel weiter auf Kurs “Cartagena” gehen…
Entspannt geht es bis zum “Cape de Gata”, wir haben halben Wind mit ungefähr 4 Beaufort une nahezu keine Welle, na mal sehen, wie es hinter dem Kap ausschaut.
Denn dann ändern wir unseren Kurs nach Norden und sind dann wohl hoch am Wind. Und genauso ist es auch, gegen 12 runden wir das Kap und befinden uns in der erwarteten Situation, dazu kommt eine ordentliche Welle…das wird ein langer Ritt bis Cartagena…
17:30 Uhr, 25 Meilen haben wir an dem Kap nun schon auf- und abgekreuzt, aber nur 10 Meilen Strecke gut gemacht…das nervt jetzt etwas…wir schauen uns mal nach einer Alternative um, Cartagena scheint zu weit weg, für heute…

4h vor diesem Berg langgekreuzt…

Der Wind wird schwächer, dazu kommt noch eine Gegenströmung, die uns hier scheinbar das Wasser entgegen drückt. Kurz vor Mitternacht entscheide ich mich, nach San Jose zu fahren. Der Wind ist nun so schwach, dass wir den Motor starten müssen, es sind ungefähr 6 Meilen…
Gegen halb drei erreichen wir den winzigen Hafen und finden noch eine freie Box. Wir legen an, da taucht auch schon ein Marinero auf, er schaut etwas skeptisch, wir lächeln und fragen, ob wir hier bleiben dürfen, er nickt und wickelt gleich noch die Einreise ab, 27€ kostet der Liegeplatz…nunja, egal.
Am nächsten Morgen bewundern wir die Berg-Kulisse um den Hafen, der kleine Ort ist auch ganz hübsch, es gibt sogar einen kleinen Fisch-Markt, wo ich uns ein paar Happen zum “Frühstück” besorgen kann.
Benno erfreut sich an dem klaren Wasser und will unbedingt Schnorcheln, also gut, dann probieren wir das hier mal.
Es ist herrlich! Zahlreiche Fische sind direkt vor der Hafenmole, eine schwache Strömung gibt es auch, wir bleiben dicht zusammen.

Selten ein so sauberes Hafenbecken gesehen…
Hübscher kleiner Hafen von San Jose

 

Am späten Nachmittag sieht der Wind wieder ganz gut aus, wir entscheiden uns, noch abzulegen und wieter zu segeln. Für die Nacht ist wenig Wind vorausgesagt, aber wir wollen weiter nach Osten. Eine Nacht unter Motor steht uns bevor, bei wenig Wind erwarten wir auch wenig Welle…
Wir fahren noch fix an die Zapfsäule, um mit vollen Tanks zu starten, der Hafen ist recht eng, grade mal 3 Bootslängen ist das “Wendebecken” breit…”wenden auf engstem Raum”, den Rad-Effekt nutzend drehen wir die Marie fast auf dem Teller, und tuckern raus. Zustimmendes Nicken vom Marinero zaubert uns ein breites Grinsen ins Gesicht 🙂
Der Wind bleibt schwach, doch der Seegang ist nicht wie erhofft, keine 2 Meilen hinter dem Hafen, haben wir teilweise 2m Welle, die ist zwar recht lang, bremst uns dennoch immer wieder ab.
Vor Aguilas wollen wir ankern und auf besseren Wind warten, es gibt 2 geschützte Buchten mit einem Strand, ein paar Yachten liegen hier schon, das sieht gut aus.
Doch zunächst müssen wir die zahlreichen Fischer umfahren, die hier alle gegen 4 rausgekommen sind. Scheint eine beliebte Ecke zu sein, im Hafenführer wird vor schlecht erkennbaren Natzen gewarnt. Wir navigieren aufmerksam und kommen ohne Komplikationen durch.

 

Das passt: auf dem AIS sind die ganzen Fischer vor der Küste gut zu erkennen…

Wir fahren ein Stück weiter an die kleine Meerenge zwischen Festland und “Isla del Fraile” und beginnen 6 Uhr mit dem Ankermanöver während die Sonne gerade aufgeht. Alles ruhig, das Manöver läuft wie immer, bis auf…was ist das – der Motor nimmt kein Gas mehr an…vorwärts/rückwärts geht noch, aber nur Standgas.
Puh… o.k. erstmal den Ankern fallen lassen und ordentlich Kette raus. Ist ja kein Wind und Seegang ist auch keiner…eigentlich wollte ich jetzt in die Koje, aber da muss ich wohl erstmal in den Maschinenraum abtauchen, Kopflampe raus und Fehlersuche: am Motor scheint alles in Ordnung, Schaltung geht, aber der Gaszug bewegt sich nicht. Ist der etwa abgerissen?
Ich demontiere die Schaltbox und siehe da, der Gaszug ist weggebrochen, keine 20cm unterhalb vom Schalthebel.

abgerissener Gaszug

O.k. kurze Beratung, die nächste Werft ist in Cartagena, da sind wir noch 20 Meilen weg.
Am näcshten Tag soll der OStwind auf 6 Beaufort auffrischen, da würde ich schon ganz gerne vernünftig ankern. Und mit dem Dingy ist dann auch schlecht rüberpaddeln, um Ersatzteile zu holen.
Hier in Aguillas gibt es insgesamt 3 Häfen, ein großer Fischereihafen und ein paar kleine Nautic-Shops, sagt Google-Maps. Im Grunde muss ich nur den Bowdenzug tauschen, aber ich brauche die passende Länge, ich kenne die Problematik schon und mache mir wenig Hoffnung einen passenden Draht im Shop zu bekommen, da müssen wir vermutlich ein paar Tage warten. Da wir so nicht unbedingt durch ungemütliches Wetter wollen, fahren wir gleich die 3 Meilen zurück und versuchen den ersten Hafen anzulaufen.
Der kleine Stadthafen ist voll, kein Platz für uns, wir sollens im Fischereihafen nebenan versuchen.
O.K. nochmal 2 Meilen. Auf dem Weg dahin bastel ich ein wenig am Gashebel und kann mit einer Notkonstruktion wieder Vollgas geben: ich knote eine kleine Hilfsleine am Gaszug fest, führe sie um das Abgasrohr herum, nach oben, und durch die Motorraum-Klappe nach außen.

Die Gaszug-Notkonstruktion funktioniert 🙂

So kann man in Puppenspieler-Manier Gas geben, ohne den Motorraum die ganze Zeit offen zu halten, die Leine klemmt dann in der Klappe fest und hält das Gas – geht eigentlich ganz gut 🙂 Naja, nun sind wir im Fischreihafen und kreiseln erstmal durchs Becken, sieht alles privat aus. Auf Funk antwortet keiner, die Fischer sind alle beschäftigt. Wir winken einem Einheimischen zu, der kommt längsseits, spricht aber kein Englisch…mit Zeichensprache erklären wir unsere Lage, er nickt und funkt den Hafenkapitän an, der hört auf Kanal 28, nicht auf der 9 – kein Wunder also, dass keiner antwortet, aber auch der spricht kein Englisch.
Der Fischer gibt uns zu verstehen, dass wir in der Einfahrt festmachen können.
Wir schauen uns die Stelle an, total ungeschützt, genau in der Zufahrt, wo jeden Tag die ganzen Fischer durchbrettern, kein Wasser, kein Strom und alles dreckig.
Hm, das ist auch nicht so das Wahre…da kann ich auch draußen ankern, da kann man wenigstens baden.
Wir fahren also doch noch weiter zurück, nochmal 2 Meilen westlich ist ein weiterer Yacht-Hafen, mit sehr guten Kritiken, dort gibt es auch einen Travel-Lift. Vielleicht ja auch einen Bootsservice?
Wir fahren also hin, funken den Marinero an, auch der spricht kein englisch, hat aber einen Platz für uns. Wir müssen uns zunächst aber anmelden, mittlerweile ist es acht. Ein Ende scheint in Sicht. Und da wir eh an der Tankstelle warten sollen, füllen wir gleich mal die Tanks wieder auf. Kurz darauf zeigt er uns, wo wir hinsollen, er empfängt uns dann und hilft uns beim Anlegen.
O.K. – wir legen ab und fahren zur besagten Stelle, wir liegen ganz außen, als 1. Boot am Steg und sollen in der klassischen Mittelmeer-Mooring-Variante “römisch-katholisch” anlegen, allerdings ist kein Boot links und rechts zum “festhalten”. Kurze Manöver-Absprache und dann ran an den Steg.
Leichter Seiten-Wind, klappt alles wunderbar. Der Marinero reicht uns die Muring, wir machen erstmal fest. Wir besprechen noch die Details und erfahren, dass die Duschen gesperrt sind, wegen Corona…aha, egal, wer braucht schon duschen, das Mittelmeer ist ja auch da, der Strand gleich hinter der Hafenmauer. Der Marinero ist sehr bemüht und erklärt uns noch irgendwas mit dem Hotel, dass wir da ein Zimmer mieten können, oder so ähnlich, meine Auffassungsgabe ist in dem Moment etwas erschöpft. Ich will viel mehr wissen, ob sie eine Werkstatt haben, scheinbar nicht…Ich sage, “Gracias” und verkrieche mich erstmal in der Koje. Laut google Maps gibt es einen Nautic Shop ca. 800m vom Hafen entfernt, das sieht gut aus…

 


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