Südspanien – Endlich Mittelmeer!

Samstag, den 22. August 2020

Kurz aber intensiv, war unser Besuch in Gibraltar.
Ein wirklich beeindruckender Felsen an einer lebhaften Hafenstadt, einem globalen Handelszentrum: wenn man einfach nur mal ein paar Minuten die Verkehrsleitzentrale auf UKW abhört:
Ein Frachter nach dem anderen wird von den Lotsen angefunkt, um in den Hafen und wieder rausgebracht zu werden, bei der Masse an Schütt- & Containergütern wird schnell klar, wieso die Bewohner von Gibraltar kein Interesse am Brexit haben können…

Aber das nur am Rande, der Funkkanal 12 ist jedenfalls auf LAUT, als wir nach 24h den spanischen Hafen “Alcaidesa” in La Linea am Abend des 21. August gegen 23 Uhr verlassen, es herrscht reges Treiben in der Bucht, doch wenn man das Lotsenfahrzeug im Blick behält, ist auch im Dunklen ganz gut zu erkennen, welcher Frachter als nächstes seinen Ankerplatz verlassen wird.

Bei Nacht durch das Ankerfeld in der Bucht von Gibraltar

Der Wind soll noch ca. 36h aus Westen wehen, ehe er für den nachfolgend kompletten angezeigten Vorhersagezeitraum auf Ost dreht…da wollen wir noch so weit wie möglich ins Mittelmeer reinfahren.
Bei 3 Beaufort segeln wir relativ entspannt durch das bunte Lichtermeer von Frachtern und der Hafenanlage, im Hintergrund “scheint” der große Felsen im Mondschein, wir kreuzen am Wind durch das Ankerfeld, immer ein Auge auf das AIS das andere auf den Lotsen. Dank “Peter” steuert die Marie ihren sicheren Kurs wie von selbst.
Das hat ein jähes Ende, als wir die Süd-Spitze von Gibraltar erreichen: der Wind dreht immer wieder, kräftige Böen aus Nord-Westen fallen ein, dann wieder Winddreher um 90°, Seegang kommt auch noch dazu, aus 2 Richtungen…Peter gibt mir zu verstehen, dass ich hier wohl selber ran muss.

Nagut, die Frachter liegen ja achteraus, weit drinnen in der Bucht, vom Felsen hatte ich bei unserer Wanderung am Vortag noch ein großes Ankerfeld auf der Mittelmeerseite ausgemacht, ich versuche mich auf der “Innenbahn” durchzuschlängeln, also zwischen Fels und Ankerlieger, vielleicht nicht die Beste Entscheidung, wie sich kurze Zeit später heraus stellte…

Aber zunächst einmal kämpfen wir uns durch eine kabbelige Kreuzsee ums Kap, bevor wir mit kräftigen Fallböen von dem 400m hohen “Affenfelsen” konfrontiert werden…wir nehmen die Genua vorsichtshalber ins 1. Reff, damit das Schiff nicht jedesmal so extrem in den Wind giert.
So steigt der Ruderdruck auch in den Böen nicht mehr so stark an, Marie hält den Kurs ganz gut…vermutlich wären die Böen etwas weiter draußen nicht so extrem, aber nun sind wir zwischen dem Felsen an Backbord und den “Großen” an Steuerbord “gefangen”, da müssen wir jetzt wohl durch…
Nach zwei Meilen sind wir gegen 1 Uhr wieder im ruhigeren Wasser, nur noch eine Welle von achtern und obwohl wir jetzt nach Nord-Osten segeln, sind wir immernoch “am Wind”…

Nach einer weiteren Stunde ist alles ruhig, die See und auch der Wind lässt stark nach, hat inzwischen wieder auf West gedreht und wird wohl in Kürze komplett einschlafen, so dass wir uns schonmal auf der Karte nach einem Nachtlager umsehen können: ca. 15 Meilen kommen wir in dieser Nacht, ehe der Anker kurz nach vier vor dem Strand von “La Alceidesa” fällt.

Am nächsten Morgen haben wir kräftigen Westwind um 5, und Schwell hat aus Osten eingesetzt, so dass an ein entspanntes Frühstück an der Kette nicht zu denken ist. Also gehen wir ankerauf und essen unterwegs. Der Anker sitzt tief im Sand, wir müssen genau über ihn manövrieren und dann ganz schön ziehen, damit er frei kommt, hat sich gut eingegraben: so soll es ja auch sein!
Tatsächlich liegt das Boot dann unter Segeln bedeutend ruhiger, die Welle kommt nun von vorn, es rollt nicht mehr hin und her.

Tschüß, Gibraltar!

22.08.2020, 10 Uhr
Der Wind weht von achtern, Peter lässt uns Richtung Osten laufen. Wie erwartet nimmt der Wind im Laufe des Tages immer weiter ab, wir versuchen zwischen den Häfen von Marbella zu ankern und entscheiden uns dann kurzerhand, doch in den Hafen zu gehen, der Schwell ist unangenehm, außerdem ist Samstag und auch noch gegen 21 Uhr heizen die “Verrückten” mit ihren Jetskis um uns herum, als wären wir eine Slalomstange…das macht keinen Spaß.
Im Hafen dürfen wir uns zwischen ein paar Motoryachten legen und sind mit 16€/ Nacht doch ganz gut bedient 🙂

Die nächsten Tage machen wir dann erstmal etwas Strand-Urlaub und hoffen, dass der Wind bald wieder auf West dreht…der Ort selber hat nicht all zu viel zu bieten, eine klassiche Bettenburg mit vielen Bars, im “normalen” Sommer scheint es hier recht voll zu sein, aber aktuell sind maximal 30% der Gäste unterwegs. Es ist also angenehm “leer”, am Strand ist genug Platz, die Bars sind auch nicht überfüllt und sie schließen auch bereits gegen 1:00 Uhr, was vielleicht nicht so verkehrt ist, liegen wir doch keine 100m vor der “Bar-Promenade” 😉

erstmal relaxen am Strand

25.08.2020
Nach drei Tagen wurde es uns dann doch zu langweilig und obwohl immernoch schwacher Ostwind wehte, versuchten wir es mal mit “Thermik-Segeln”.
Wir legen also am frühen Nachmittag ab und segeln dicht unter Land Richtung Osten, jede Böe geht mit Wohlwollen durch die Segel. Marie luvt an un kommt wieder ein paar Grad von der Küste weg, so macht Segeln Spaß!
Wir kreuzen ein paar Meilen die Küste entlang und machen so immerhin 20 Meilen in 6 Stunden, keine Rekordfahrt, aber unter den gegebenen Umständen besser als nichts 🙂

Gegen 20:30 Uhr erreichen wir Fuengirola, auch dort können wir nicht vor dem Strand ankern: zu ungeschützt, zu viel Schwell aus Osten, zu ungemütlich.
Uns wird klar, die ersehnten Nächte vor Anker am Strand lassen noch etwas auf sich warten, die spanische Südküste eignet sich einfach nicht so sehr dafür, zumindest nicht zwischen Gibraltar und Almeria.

Über UKW Kanal 9 funken wir den Marinero von Fuengirola an, er empfängt uns am Wartekai und weist uns direkt einen Platz zu. 21 Uhr sind wir fest, klassisch “Römisch-Katholisch”, das Manöver klappt einwandfrei.
Für 25€/ Nacht liegen wir in der recht großen Marina zwischen internationalen Yachten, leider sind die Boote derzeit fast alle verlassen, nur sehr wenige Selger sind an Bord.
Die Sanitäreinrichtungen sind ordentlich. Der Hafen ist recht hübsch angelegt, von Dattel-Palmen gesäumt kommt direkt Urlaubsfeeling auf, die brütenden Papageien begrüßten uns “herzlich” 🙂 

Grünschnäbel meckern, was das Zeug hält

Der Ort selbst bietet wieder einen langen Strand, unzählige Hotelburgen und einen kleinen Wildpark. Nach der langen Reise ein wenig Abwechslung für Benno, den wir die nächsten Tage mit einem kleinen Ausflug überraschen wollen. 
Außerdem hatten wir uns inzwischen dazu entschieden, doch noch eigene Fortbewegungsmittel für diverse Landgänge zu besorgen: Fahrräder passen nicht mehr an Bord, also sind wir kurzerhand ins Decathlon und haben zwei Stadt-Roller gekauft, mit denen wir etwas mobiler und unabhängiger unterwegs sein wollen.
Für Benno haben wir eine Art Fußtritt, so dass er immer auf einem Roller mitfahren kann, für drei Gefährte(n) ist einfach kein Platz mehr unter Deck zu finden. Und nein: es sind keine E-Roller, sondern werden ganz klassisch mit Muskelkraft betrieben.
Wichtig war, dass die Roller zusammengeklappt im Boot zu verstauen sind, denn die Marie ist zwar ein Raum-Wunder, hat aber dennoch nicht endlos Platz.
Von nun an waren wir also auf kurzen & mittleren Strecken schnell und wendig 🙂

auf unseren rollenden Gefährten unterwegs

Am 28. August sollte endlich wieder Westwind in der Alboran-See wehen…nach langer “Durststrecke” hatten wir also Proviant aufgestockt, etwas zu Essen vorbereitet und sind kurz nach 8 aus dem Hafen Richtung Almeria aufgebrochen.

Fuengirola: Leinen los!

Der Wind sollte mäßig bis kräftig wehen, bei Böen bis 7 Beaufort, das ganze für ca. zwei Tage, womit wir uns eine Strecke von ca. 200 Meilen erhofft hatten. Wenigstens bis Almeria, oder vielleicht auch bis Cartagena zu kommen, war unser Ziel.
Endlich weg von der bisher doch recht einseitigen spanischen Südküste.
Wir legten bei Windstärke 3 ab, wobei sich schon ein nicht zu verachtender Seegang aufgebaut hatte und somit stärkere Winde ankündigte (was wir ja auch erwartet haben):

Die aufgewühlte See kündigt den kräftigen Wind an

Nach 3 Stunden hatte der Wind auf 5 Beafort aufgefrischt, wir nahmen das Groß ins 1. Reff und rollten die Genua bei den immer wieder aufkommenden Starkwind-Böen ein, um den Ruderdruck zu verringern. Bis zum Abend legte der Wind jedoch weiter zu, die Wellen noch viel mehr, gegen 18 Uhr hatten wir eine See mit einer signifikanten Wellenhöhe um die drei Meter, die großen Wellen waren also irgendwas zwischen drei und fünf Metern, mit ordentlichen Schaumkämmen. “Peter” hielt uns gut auf Kurs, allerdings war auch klar, bei dem Seegang können wir das Groß nicht mehr weiter einreffen, dazu muss jemand aufs Vordeck, das erschien mir in der Situation als zu gefährlich. Wir rollten also die Genua komplett ein und gingen weiter unter Land, wo der Wind sich auch etwas beruhigte.
Am späten Abend frischte der Wind wieder auf, die Seegang legte weiter zu, wir hatten schätzungsweise vier Meter mittlere Wellenhöhe, das bedeutete also: der Wind wird noch weiter zulegen, keine schönen Aussichten für die Nacht.
Immer wieder überprüften wir die Online-Wettervorhersagen, das Seegangsbild passte nicht so ganz zur Vorhersage, im Seefunk wurden inzwischen für die spanische Südküste im Stundenrhythmus Sturmwarnungen rausgegeben. Auf der Webseite vom britische Wetterdienst wurden Windböen bis 9 Beaufort für den nächsten Tag vorausgesagt. Somit war klar, wir sollten raus aus dem Seegebiet, bevor der Seegang und der Wind noch weiter zunimmt. Bis Almeria waren es noch 15 Meilen, das schein unter den gegebene Umständen doch zu weit, Adra war nur 5 Meilen entfernt, wir setzten den Kurs auf die Hafeneinfahrt, als mit einer letzten kräftigen Böe plötzlich nahezu Windstille herrschte. Die See schaukelte uns wild hin und her, so dass ich zügig die Maschine startete, um den Wellen nicht hilflos ausgeliefert zu sein.
Da unklar war, wann der Wind wieder einsetzt, und wie die Lage am HAfen sein wird, bereiteten wir alles soweit vor und sprachen bereits die Manöver Hafeneinfahrt bei kräftiger Welle und Anlegen bei Starkwind durch.
Wir suchten uns auf der Seekarte einen geeigneten Platz, den wir anlaufen wollten und legten uns auch einen Notfallplan zurecht, für den Fall, dass es Probleme an der Hafeneinfahrt geben würde. Der Wind und die See sollten genau von der Seite einfallen, die Einfahrt ist relativ dicht vor dem Strand, dahinter liegt noch eine Untiefe, da ist nicht viel Platz…aber so weit kam es dann nicht: je näher wir Adra kamen, desto weniger Seegang blieb stehen, auch der Wind wehte noch nicht wieder bedeutend.
Bei ca. 2m Welle surften wir gegen halb 4 unter Maschine und gerefftem Großsegel in den Vorhafen, packten rasch alles ein und bereiteten die Leinen vor. Wir hatten auch noch etwas Zeit, uns im Hafen umzusehen und wollten einen Liegeplatz in der hintersten Ecke ergattern, dazu funkten wir den Marinero an, der allerdings kein Englisch sprach…mit wilden Handzeichen und ein paar Brocken Spanisch konnten wir uns aber verständigen und fanden auch einen gut zu erreichenden Platz, im Gästehafen, am anderen Ende des Beckens. Wir drehten also um und gingen an den uns zugewiesenen Steg. Wir lagen keine 5 Minuten fest, da setzte der Wind auch direkt mit einer einzigen Bö wieder bei 6 Beaufort ein. Das war dann wohl perfektes Timing.
Wir genehmigten uns ein Anlegebier und fielen erschöpft in die Kojen. Nur Benno hatte von all dem nichts mitbekommen und schlief seelenruhig in der Vorschiffskoje.
Da hatten wir nun nach 3 Wochen endlich Westwind und dann gleich Sturm, so mussten wir unsere Fahrt nach nur 98 Meilen in 18 Stunden also vorzeitig beenden…schade, aber eben nicht zu ändern…das Wetter lässt sich eben nicht planen 🙂

Den Sturm wettern wir am Ende in Adra am Steg ab.

 

 

 

 

 

 


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