Dieppe, Le Havre oder doch bis Cherbourg?

Freitag, den 17. Juli 2020

Nach drei Tagen Pause, sollte es endlich weiter gehen, der Wind drehte auf NE und bringt uns ein Wetterfenster von ein bis zwei Tagen…
Wir könnten also wenigstens bis Dieppe, oder Le Havre segeln, wenn es gut läuft, auch gleich bis Cherbourg, von da hätten wir eine ideale Ausgangsposition zu den Kanalinseln.
Alderney steht ja ganz oben auf meiner Wunschliste, als Natur-Idyll und uriges Eiland mit vielen Seevögeln und seiner schroffen Küste wollen wir uns diese Hochseeinseln nicht entgehen lassen…
Doch zunächst einmal sind 200 Meilen bis dahin zu absolvieren.
Die Winde standen günstig und auch der Seegang war nicht all zu stark, so dass wir gleich einen recht nördlichen Kurs, direkt auf die Küste von Cherbourg wählten, um am Ende nicht zu viel gegen an laufen oder gar kreuzen zu müssen…
Das Wetter hielt auch die nächsten Tage weiter an, so dass wir bis 15 Meilen vor dem Kap “Pointe de Barfleur” recht zügig voran kamen, dort wehte der Wind  doch ziemlich aus Nord, außerdem stand die Tide gegen uns.
Das bedeutete, wir kommen so nicht wirklich um das Kap rum, im Grunde haben wir keine Chance, bis die Tide kentert und mit drei Knoten Richtung West setzt.
Also versuche nwir jetzt die nächsten sechs Stunden so wenig Höhe wie möglich zu verlieren und kreuzten ein paar mal auf unserer Kurslinie zum Kap.
Im Reeds und in den Seekarten war ersichtlich, das es im südöstlichen Bereich vor dme Kap eine Strömung gibt, die ca. ein Stunde eher kentert, als der Rest, dort wollten wir hin.
Der Plan ging auf, zwar machten wir kaum Strecke gut, waren aber pünktlich zum Kentern der Tide in genau diesem Bereich, der kenterte Strom brachte uns auch am Wind hervorragend an das Kap heran.
Achtung Welle!

Bei 3 Beaufort gegenan und mitlaufendem Strom sollte es doch gut klappen, mit der Kap-Umfahrung, auch wenn wir mit deutlich größerem Seegang zu rechnen haben.

Und tatsächlich, die Tide zog uns immer weiter westwärts, unter Landabdeckung hatten wir praktisch kaum Welle, erst als wir am Leuchtturm vorbei waren stellten sich die Wellen auf.
Marie flog mit bis zu 9 Knoten über Grund ums Kap, die Wellen hatten zwischenzeitlich eine beachtliche Höhe von bis zu drei Metern angenommen und spülten immer wieder übers Vordeck.
Alle Luken waren längst zu und im Cockpit wurde das Ölzeug angelegt.

All zu weit ist es ja nicht.

Mit über 8 Knoten sausten wir um “Pointe de Barfleur”
Zu dem sich bietenden Spektakel der Wellen kam noch ein beeindruckendes Naturereignis dazu, welches wir bisher nur aus Natur-Dokus kannten: ca. 100m vor uns hatte ein großer Schwarm Sturmtaucher einen Fisch-Schwarm im Wasser ausgemacht, die Vögel kreisten über diesem und gingen dann einer nach dem anderen aus ca. fünf m Höhe in Sturzflugmodus, überall um uns herum tauchten hunderte Vögel mit angelegten Flügeln kopfüber ins Wasser um sich einen Fisch zu schnappen! Eine imposante Show! Ob das schon die Vorboten der Kanalinseln sind?
Es rundete jedenfalls die feucht-fröhliche Rauschefahrt um das Kap ab 🙂
Dieser Moment ließ sich leider nicht mit unserer aktuellen Kameraausrüstung festhalten…so das uns nur die eigenen Erinnerungen bleiben
Marie beeindruckte das wenig, sie pflügte weiter durch die Wellen, immer wieder spritze uns die Gischt ins Gesicht, zwei-drei Wellen rollten übers Deck, aber ins Cockpit kamen sie nicht.
Nach zwei Stunden war das Ganze auch vorbei und das Kap umrundet, eine weitere Stunde noch mit der Tide Richtung Westen, bis wir den Hafen von Cherbourg erreichten.
Der Vorhafen ist recht groß und kann aus zwei Richtungen betreten werden, danach geht es weiter in die eigentlichen Häfen: Marien, Verlade-Hafen, Ölhafen…wir wollten natürlich in den Sporthafen 🙂
Da es inzwischen dunkel war und aus der Stadt unzählige Lichter leuchteten, war es gar nicht so einfach die richtigen Leit- & Torfeuer zu den Hafeneinfahrten ausfindig zu machen.
Trimarane bereiten sich auf die Regatta ab Cherbourg vor.
Mit seemännischer Sorgfalt und gemeinsamem Ausguck brachten wir das Schiff jedoch sicher in den Hafen, wo wir erst noch eine Weile nach einer freien Box suchten.
Am Ende hatte der Reeds wieder Recht: zielsicher fuhren wir schließlich die markierten “Visiteur”-Stege an und konnte dann auch endlich fest machen.
Sogar der Nacht-Hafenmeister war noch anzutreffen und händigte mir gegen drei noch den Zugang zu den Sanitärräumen aus.
Das nenn ich mal Seefahrer-Geist!
 
 
 

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